Untertagblues

 Die Genrebezeichnung "Stationendrama" ist wortwörtlich zu nehmen: Peter Handkes neues Theaterstück spielt in einer fahrenden U-Bahn, die zwanzig Szenen entsprechen den zwanzig Stationen der befahrenen Strecke.

Ein „wilder Mann“ ist mit der Untergrundbahn unterwegs. Seine Seelenlage ist nicht einfach nur angespannt, nein: hochexplosiv. Mindestens. Wer immer da neben ihm steht oder ein- und aussteigt in den vielen Stationen von Peripherie zu Peripherie einer Metropole – alle Mitfahrer steigern nur seine Wut. Der Ekel des „Wilden Mannes“ ist allumfassend, nichts ist Scheinleben, Verlogenheit und Hässlichkeit um sich herum nimmt er wahr, und immer mehr redet er sich in Rage, wirkt angsteinflößend und komisch zugleich. Er erfindet den einzelnen Passagieren Geschichten, die unversehens zu Beschimpfungen werden; er liest ihnen die Leviten... bis eine Zusteigende ihn zum Schweigen bringt und den Konterpart gibt, ohne dass er noch einmal zu Wort kommt.


Mit Klaus Fischer, Magda Kropiunig sowie Eleonore Schäfer, Norbert Schüller und Arturas Valudskis

Regie: Erik Jan Rippmann


Premiere 17. September 2005